Welche Rückstausicherung braucht dein Keller?
Hake an, welche Abläufe unter der Straßenoberkante liegen. Karl sagt dir, ob ein Rückstauverschluss reicht oder ob es eine Hebeanlage sein muss, und was die Satzung deiner Stadt zur Rückstauebene sagt.
Was die Rückstauebene ist
Läuft der Kanal bei Starkregen voll, steigt das Wasser darin wie in kommunizierenden Röhren, bis es an der niedrigsten Öffnung austritt, meist an einem Schachtdeckel auf der Straße. Diese Höhe heißt Rückstauebene. Liegen keine anderen Angaben vor, gilt nach DIN EN 12056-4 die Straßenoberfläche einschließlich Gehweg oder Seitenstreifen.
Maßgeblich für dein Haus ist die Entwässerungssatzung deiner Gemeinde. Einige Städte legen die Ebene höher: in Duisburg 20 cm, in Bochum 15 cm über der Straße, in Krefeld 5 cm über dem Schachtdeckel. Hersteller wie KESSEL empfehlen ohnehin einen Sicherheitsabstand von etwa 15 cm.
Für die Planung zählt bei Schmutzwasser der Wasserspiegel im Geruchverschluss eines Ablaufs, bei Regenwasser die Oberkante des Rosts. Was darunter liegt, braucht Schutz.
Rückstauverschluss oder Hebeanlage: die Typen
| Typ | Wie er schließt | Wofür |
|---|---|---|
| Typ 0 | Ein selbsttätiger Verschluss | Nur Regenwasser, nicht für Schmutzwasser |
| Typ 1 | Ein selbsttätiger Verschluss, zugleich Notverschluss von Hand | Nur in Ausnahmefällen, in Deutschland für Schmutzwasser nicht ausreichend |
| Typ 2 | Zwei selbsttätige Klappen, eine davon von Hand verriegelbar | Fäkalienfreies Abwasser (Dusche, Waschmaschine, Bodenablauf) |
| Typ 3 | Elektrisch angetriebene Klappe mit Sensor, dazu Notverschluss von Hand | Fäkalienfreies Abwasser; fäkalienhaltiges nur in den Ausnahmen der Norm |
| Typ 4 / Typ 5 | Verschluss im Bodenablauf; Typ 5 mit zusätzlichem Notverschluss | Einzelner Kellerablauf für fäkalienfreies Abwasser |
| Hebeanlage | Pumpe hebt das Abwasser über eine Schleife oberhalb der Rückstauebene | Fäkalienhaltiges Abwasser (Regelfall), Wohnräume im Keller, Regenwasser größerer Flächen |
Wann ein Verschluss für das Keller-WC reicht
Nur wenn alle Bedingungen zusammenkommen: Gefälle zum Kanal, der Raum wird untergeordnet genutzt, nur wenige Personen nutzen das WC, oberhalb der Rückstauebene gibt es ein weiteres WC, und auf die Nutzung kann während des Rückstaus verzichtet werden. Dann ist ein Rückstauverschluss Typ 3 für fäkalienhaltiges Abwasser zulässig. In allen anderen Fällen ist die Hebeanlage die Regel.
Regenwasser von Außenflächen
Kellertreppe, abgesenkte Einfahrt, Lichtschacht: Hier fällt das Wasser genau dann an, wenn der Kanal voll ist. Nach DIN 1986-100 darf es nur getrennt vom Hausabwasser und rückstaufrei angeschlossen werden. Kleine Flächen bis etwa 5 m² können versickern oder bei Gefälle über einen Rückstauverschluss laufen, wenn eine Schwelle das Wasser vom Keller fernhält. Größere Flächen brauchen eine automatische Hebeanlage.
Rückstauverschlüsse und Hebeanlagen der großen Hersteller im Vergleich
Wartung
Eine Klappe, die festsitzt, schützt nicht. DIN 1986-3 verlangt für Rückstauverschlüsse eine Wartung durch einen Fachkundigen im Abstand von etwa einem halben Jahr; dazwischen betätigst du den Notverschluss regelmäßig selbst. Hebeanlagen werden im Einfamilienhaus jährlich gewartet, im Mehrfamilienhaus halbjährlich, gewerblich vierteljährlich.
Feuchttücher, Hygieneartikel und Essensreste gehören nicht ins WC: Sie bleiben gern in der Klappe hängen. Wenn du länger weg bist, Notverschluss zu.
Neue DIN 1986-100
Im November 2026 ist eine neue Ausgabe der DIN 1986-100 erschienen. Der Entwurf von 2025 sah vor, die Rückstauebene nicht mehr pauschal an der Straße festzumachen, sondern am Entspannungspunkt des Kanals plus dem zu erwartenden Überstau, und die Rückstauschleife einer Hebeanlage 10 cm höher zu führen. Für dein Bestandshaus gilt weiterhin, was die Satzung deiner Gemeinde festlegt; bei Neubau oder Umbau rechnet der Planer nach der neuen Norm.
Rückstauregeln der Großstädte
Aus den Entwässerungssatzungen bzw. den Merkblättern der Entwässerungsbetriebe. Abweichungen vom Regelfall „Straßenoberkante“ sind markiert.
- AachenStraßenoberkante an der Einmündungsstelle des Hausanschlusses in die öffentliche Abwasseranlage
- AugsburgStraßenhöhe an der Anschlussstelle, sofern die Stadtentwässerung nichts anderes bestimmt
- Berlinin der Satzung nicht definiert
- BielefeldabweichendOberkante des niedrigsten Kanalschachts oberhalb des betreffenden Hausanschlusses
- Bochumabweichendin der Regel Straßenoberkante + 15 cm am Anschlusspunkt der Grundstücksanschlussleitung
- BonnOberkante von Gelände bzw. Straße über dem Anschlusspunkt (laut städtischer Seite)
- BraunschweigabweichendOberkante des niedrigsten Kanalschachts oberhalb des betroffenen Anschlusskanals
- BremenStraßenoberkante (laut hanseWasser-Broschüre)
- Dortmundin der Regel Straßenoberkante am Anschlusspunkt
- DresdenStraßenoberkante (laut Hinweisblatt; genaue Festlegung in § 20 Abs. 2)
- DuisburgabweichendStraßenoberkante am Anschlusspunkt + 20 cm
- ErfurtabweichendHöhe der entgegen der Fließrichtung nächstgelegenen Entlastungsmöglichkeit des Kanalnetzes
- Essenin der Regel Straßenoberkante vor dem Grundstück (laut Flyer)
- Frankfurt am Mainmaximale Rückstauhöhe = Straßenoberkante am Anschlusspunkt an den öffentlichen Kanal
- Halle (Saale)nur allgemein: die festgelegte Höhenlage, unter der zu sichern ist; kein konkreter Bezugspunkt in der Satzung
- HamburgabweichendStraßen- bzw. Gehweghöhe an der Anschlussstelle des Siels, der höhere Wert gilt (laut BUKEA-Seite)
- HannoverStraßenoberkante vor dem anzuschließenden Grundstück
- KasselRückstauhöhe = Straßen- oder Geländeoberkante am Anschlusspunkt an den Sammelkanal
- KielHöhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle der Grundstücksanschlusskanäle (laut Merkblatt)
- KölnabweichendStraßenhöhe = höchster Punkt der öffentlichen Verkehrsfläche (vor dem Grundstück)
- Krefeldabweichend5 cm über der Schachtdeckelhöhe (höherer der direkt angeschlossenen Schachtdeckel); Einzelfallfestlegung möglich
- LeipzigStraßenoberkante (laut Flyer)
- Lübeckabweichendmindestens 10 cm über der Fahrbahnoberfläche an der Anschlussstelle, sofern EBL nichts anderes angibt (§ 19 Abs. 1 laut Infoblatt)
- Magdeburgmindestens Oberkante Straße vor dem anzuschließenden Grundstück
- Mainznicht ausdrücklich definiert; gefährdet sind laut Satzung Entwässerungsgegenstände unter der Straßenoberfläche an der Anschlussstelle
- MannheimStraßenoberfläche über dem Anschluss an die öffentliche Abwasseranlage, soweit im Einzelfall nicht anders bestimmt
- MönchengladbachStraßenhöhe am Anschlusspunkt (Bezug laut Broschüre)
- MünchenSatzung definiert sie nicht; die städtische Infoseite nennt als Regel die Straßenoberkante vor dem Grundstück
- Münsterin der Regel Höhe der Straßenoberkante an der Einleitungsstelle (laut städtischer Seite)
- NürnbergHöhe der Geländeoberkante an der Anschlussstelle; im Einzelfall kann die Stadt eine andere festsetzen
- OberhausenStraßenoberkante an der Anschlussstelle der Grundstücksanschlussleitung
- StuttgartStraßenoberfläche an der Anschlussstelle der Grundstücksentwässerung
- WiesbadenHöhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle des Anschlusskanals an die Sammelleitung
- WuppertalStraßen- oder Geländeoberkante über der Anschlussstelle des Anschlusskanals
Häufige Fragen
Reicht eine einfache Rückstauklappe?
Für Abwasser ohne Fäkalien unter der Rückstauebene ist ein Rückstauverschluss Typ 2 (zwei selbsttätige Klappen, eine davon von Hand verriegelbar) das Mindeste, besser Typ 3 mit elektrischem Verschluss. Für ein WC oder Urinal im Keller ist die Regel eine Hebeanlage; ein Typ-3-Verschluss nur in eng begrenzten Ausnahmen.
Was ist der Unterschied zwischen Rückstauverschluss und Hebeanlage?
Der Verschluss macht bei Rückstau zu. Solange er zu ist, kann auch dein eigenes Abwasser nicht abfließen. Die Hebeanlage pumpt das Abwasser über eine Schleife oberhalb der Rückstauebene in den Kanal. So bleibt alles auch während des Rückstaus nutzbar, und der Kanal kann nicht zurückdrücken.
Wer muss die Rückstausicherung bezahlen?
Der Eigentümer. Die Grundstücksentwässerung gehört bis zum Anschluss an den öffentlichen Kanal dem Grundstückseigentümer, und die Satzungen machen die Sicherung zu seiner Pflicht. Einige Gemeinden fördern den Einbau, siehe Förderung.
Wie oft muss eine Rückstausicherung gewartet werden?
Nach DIN 1986-3 Rückstauverschlüsse halbjährlich durch einen Fachkundigen, dazwischen regelmäßig von Hand betätigen. Hebeanlagen im Einfamilienhaus jährlich, im Mehrfamilienhaus halbjährlich, gewerblich vierteljährlich. Den Wartungsnachweis verlangt im Schadensfall oft die Versicherung.
Quellen
- KESSEL Planungshandbuch: Ermittlung der Rückstauebene
- KESSEL Planungshandbuch: Rückstauschutz bei Regenwasser (zitiert DIN 1986-100, 13.1.3)
- DNWAB: Rückstauverschlüsse nach EN 12056, DIN 1986-100 und EN 13564 (Kundeninfo 01/2024, PDF)
- DIBt: Rückstauverschlüsse für Abwasseranlagen
- Verbraucherzentrale NRW: Starkregen-Überflutung und Rückstau (Stand 14.08.2026)
- Baunormenlexikon: DIN 1986-100, Ausgabe 2026-11
- bau.bi: Rückstauschutz – was die neue DIN 1986-100 bedeutet (26.08.2026)
- Dallmer: Rückstauverschlüsse und Rückstau-Kellerabläufe
- TGA Planungsgesellschaft: Entwässerung nach DIN 1986-100 richtig planen
Die Normen selbst sind kostenpflichtig beim Beuth- bzw. DIN-Verlag erhältlich; wiedergegeben ist der Inhalt nach den genannten Fach- und Herstellerquellen. Keine Planungsleistung: Auswahl und Einbau gehören in die Hand eines Fachbetriebs.